Katholische Universitätsgemeinde Basel

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Die Trinität - ein Herz und eine Seele

von Beat Altenbach SJ (Text und Bild)

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag (Ex 34, 4b.5–6.8–9, 2 Kor 13, 11–13, Joh 3, 16–18)

„Wir glauben doch letztlich alle an den gleichen Gott“. Wer kennt ihn nicht, diesen Satz: Das moderne Credo der religiösen Korrektheit. Dieser Satz ist immer wieder sehr praktisch, wenn es darum geht, heikle theologische Diskussionen zu vermeiden. Doch was sagen wir eigentlich mit diesem Satz?

Er ist aus unserer jüdisch-christlichen Perspektive trivial und nicht zu bestreiten. Denn wenn wir tatsächlich glauben, dass es nur einen Gott gibt, müssen sich alle Traditionen, die nach dem letzten Grund der Wirklichkeit fragen, letztlich irgendwie auf diesen einen Gott beziehen. Doch nur weil alle über das Gleiche reden, heisst es noch nicht, dass auch alle das Gleiche sagen und damit Recht haben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass dieser eine Gott nicht so ohne weiteres zugänglich ist. Wir können ihn nicht einfach so sehen, in Worte fassen und sagen: Das ist Gott. Das was Gott für uns ist, hängt ab von unseren Erfahrungen mit Gott und von unserer Weise, diese Erfahrungen zu deuten und zu interpretieren.

Je nachdem, wie das geschieht, haben wir eben unterschiedliche Gottesbilder. Und damit meine ich nicht nur unterschiedlich in Bezug auf andere Religionen oder Konfessionen. Selbst wir als Christen untereinander können nicht einfach so davon ausgehen, dass wir alle wirklich dasselbe Bild von Gott haben. Der Jesuit und Theologe Karl Rahner hat diesen Umstand einmal radikal zugespitzt indem er sagte: „An den Gott, an den die meisten Christen glauben, würde ich auch nicht glauben“.

Wir alle haben ein ganz spezifisches Bild von Gott, basierend auf unseren ganz persönlichen Erfahrungen, den positiven ebenso wie den negativen. Darum gibt es befreiende und ermutigende, aber auch lähmende und unterdrückende Gottesbilder. Aus diesem Grund sind Gottesbilder letztlich weder einfach so gleich-gültig, noch im gleichen Masse glaub-würdig. Und so sind wir alle immer wieder eingeladen und herausgefordert, unsere Bilder von Gott befragen, verwandeln und erweitern zu lassen. Eine wichtige Hilfe dabei ist die Heilige Schrift, und zwar nicht so sehr, weil sie uns einfach so sagt, wer Gott ist, sondern weil sie uns helfen kann, unsere eigenen Erfahrungen mit Gott zu machen und zu deuten.

Die Lesungen vom heutigen Dreifaltigkeits-Sonntag sprechen alle auf unterschiedliche Weise von einem positiven, liebenden Gott. Gott ist barmherzig, gnädig, langmütig und treu, heisst es im Buch Exodus. Und der Evangelist Johannes unterstreicht: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (Joh 3,16). Dieser Gott schaut nicht einfach unbewegt und unberührt aus weiter Ferne zu. Er kommt auf uns zu. Er sucht die Begegnung und steigt herunter mitten hinein in die Welt: Als geisthafte Präsenz in der Wolke bei Mose (Ex 34,5). Und in menschlicher Gestalt als Jesus von Nazareth, dem lebendigen Antlitz, aus dem uns Gottes Liebe und Barmherzigkeit entgegenkommen. Diese unterschiedlichen Erfahrungen der göttlichen Wirklichkeit bilden die Grundlage dessen, was wir die Heilige Dreifaltigkeit oder Trinität nennen, der Vorstellung eines dreieinen Gottes, dem Bild einer differenzierten Einheit in Gott. Einer Einheit, die nicht durch Uniformität, sondern durch Beziehung entsteht.

„Die beiden sind ein Herz und eine Seele“, sagen wir manchmal angesichts von besonders gelungenen Beziehungen. Vielleicht kann uns dieser Satz, der ja auch Ausdruck unserer eigenen, urmenschlichen Sehnsucht nach gelungener Beziehung ist, helfen, das Geheimnis des dreieinen Gottes tiefer zu erfahren. Ob nun von Gott, dem Einen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, oder vom Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist die Rede ist, die beschriebene Erfahrung ist im Kern immer die Gleiche: Es geht um einen Gott, der sich in den verschiedenen Dimensionen seiner Selbstoffenbarung als „ein Herz und eine Seele“ erweist. Es  geht um die Sehnsucht dieses Gottes nach uns Menschen, nach freien, selbstbewussten und aufrechten Menschen, und es geht um eine Beziehung der Liebe, die erst und nur in Freiheit bestehen kann.

Wir alle sind eingeladen, unsere eigenen Gottesbilder und unser Reden über Gott immer wieder an dieser Realität zu messen, damit wir immer tiefer erfahren und verstehen, was wir meinen, wenn wir sagen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dabei dürfen wir stets auf die Realität hinter den Worte vertrauen, mit denen Paulus den 2. Korintherbrief abschliesst und die uns bei der Eröffnung jedes Gottesdienstes zugesprochen werden:

„Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13)

Vom Heiligen Geist und anderen Geistern

von Beat Altenbach SJ (Text und Bild)

Impuls zu Pfingsten (Apg 2,1-11)

Der Heilige Geist ist wohl die Dimension an Gott, die man am schwierigsten erklären kann. Glaubt man, ihn begriffen zu haben, ist er einem bereits durch die Finger entglitten. Doch gerade darum scheint Gott für viele Menschen überhaupt nur als Geist einigermassen vorstellbar und glaubbar. Das Bild des allmächtigen und allwissenden Vaters wirkt oft eher bedrohlich als tröstlich. Und Jesus Christus ist selbst für viele Christen nicht mehr als ein menschliches Vorbild. Der Geist aber lässt sich gut in Verbindung bringen mit modernen Vorstellungen von physikalischen oder esoterischen Energiefeldern, aus denen alles hervorgeht und durch die alles miteinander verbunden ist. Aber reicht dieser Gedanke einer alldurchdringenden Energie wirklich, um unsere Sehnsucht zu stillen? Und kann er überhaupt die Existenz von so etwas wie Sehnsucht und Liebe erklären?

Der Gedanke allein, irgendwie passiv mit allem verbunden zu sein, schenkt wenig Trost. Wir erleben in uns eine Kraft, die nach mehr strebt. Wir suchen aktiv nach der Begegnung mit anderen und nach der Erfahrung von authentischer Beziehung. Es gibt da eine Energie, die den Suchenden mit der Gesuchten und die Liebende mit dem Geliebten verbindet. Es ist die gleiche Energie, die Gott nicht nur veranlasst hat, uns Menschen zu schaffen, sondern immer wieder die Beziehung mit uns zu suchen und sich uns zu offenbaren. Und diese Sehnsucht nach Beziehung, die Dynamik der Liebe, die in Gott ihren Ursprung hat, nenne ich Heiliger Geist.

In Jesus Christus hat Gottes Sehnsucht nach uns ein Gesicht bekommen. Und seit Pfingsten ist es der Heilige Geist, durch den uns Gottes Liebe berührt und der uns gleichzeitig befähigt und anfeuert, selber aufzustehen und auf andere zuzugehen. Es sind die Flammen des Geistes, welche Grenzen überwinden, Menschen miteinander sprechen lassen und immer wieder neu Beziehungen in Liebe und Respekt ermöglichen (Apg 2,3-6). Und plötzlich entstehen neue Perspektiven und Alternativen, die man nie für möglich gehalten hätte.  

Doch wie können wir sicher sein, dass alles, was da entstehen will, wirklich von Gottes Geist bewegt ist? Unsere Erfahrung zeigt oft schmerzlich, dass nicht jeder Impuls, der uns spontan antreibt und begeistert auch wirklich zum Guten führt. Hier gilt es, die Geister zu unterscheiden, wie es Ignatius von Loyola (1491-1556) in seinen Geistlichen Übungen (Exerzitien) nennt. Dabei können zwei grundsätzliche Fragen helfen:

Aus was für einer Stimmung heraus entsteht mein Impuls? Befinde ich mich in einer offenen, positiven Grundstimmung, oder hat er seinen Ursprung in einer missmutigen Trostlosigkeit? Im zweiten Fall ist immer Vorsicht geboten, denn wir sind nie so anfällig für Versuchungen böser Geister, wie wenn wir in schlechter Stimmung sind und uns bewusst oder unbewusst nach Zerstreuung oder Befriedigung sehnen.

Die zweite Frage ist die nach den Früchten. Der Heilige Geist ist wie der Wind nur da sichtbar, wo er etwas bewegt und Früchte hervorbringt. Darum ist es wichtig, sich offen und ehrlich zu fragen, was ein Impuls tatsächlich bewirkt und wohin er einem erfahrungsgemäss führen wird, wenn man sich ihm überlässt. Die wichtigsten Hinweise für eine Bewegung des guten Geistes sind dabei das Wachsen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Aber auch die zahlreichen Früchte, die in der wunderbaren Pfingstsequenz besungen werden.

Für diese Unterscheidung der Geister brauchen wir aber gerade besonders viel Heiligen Geist: Wir brauchen ihn als Antrieb, um überhaupt zu suchen und zu fragen. Wir brauchen sein Licht, um zu unterscheiden und zu erkennen. Und wir brauchen seine Kraft, um auch wirklich das zu wählen und zu tun, was wir als gut und fruchtbar erkannt haben. Und schliesslich brauchen wir den Geist der Hoffnung, der Geduld und des Vertrauens, um das, was wir gewählt haben, auch durchzutragen gegen die Widerstände der Welt. Eigentlich brauchen wir so ziemlich für alles SEINEN Geist. Und darum ist Pfingsten auch das wichtigste Fest im Blick auf unsere Sendung, unsere Verantwortung und unser Engagement in der Welt und für die Welt von morgen.

Komm herab, o Heil'ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

Pfingstsequenz (veni sancte spiritus, Original um 1200)